08.06.2026

Eine Handvoll Fragen – Für noch mehr Vielfalt bei den SWB

Zu sehen ist ein Mann in einem schwarzen T-Short der draußen vor grünen Bäumen steht, in die Kamera lächelt und einen bunten Ball mit einer Hand in die Höhe wirft.
Dr. Max Appenroth verantwortet bei den Stadtwerken Bonn das konzernweite Diversity Management und erklärt im Interview, was sein Job beinhaltet. (Foto: SWB/Martin Magunia)

Was macht ein Diversity Manager eigentlich bei einem Traditionsunternehmen wie den Stadtwerken Bonn? Allein aufgrund der bisher vielleicht eher unbekannten und modern klingenden Stellenbezeichnung könnten viele meinen, dass hier Gegensätze aufeinanderprallen. Dr. Max Appenroth, der diese Stelle seit Anfang 2026 innehat, erklärt, warum dem nicht so ist und wie sein Job konkret aussieht.

Was sind Ihre Hauptaufgaben als Diversity Manager?

Max Appenroth: Meine Arbeit ist sehr vielfältig. Als offizielle Anlaufstelle bei Diskriminierung berate ich sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeitende, wenn sie Diskriminierung erleben oder an anderer Stelle im Team Diskriminierung beobachten. Dann zeige ich Handlungsmöglichkeiten und Lösungsansätze auf. Außerdem führe ich Fortbildungen und Workshops zur Diskriminierungsprävention durch. Um wirksame Maßnahmen entwickeln zu können, hospitiere ich konzernweit in verschiedenen Abteilungen. So verstehe ich die Alltagssituationen und Arbeitsabläufe der Kolleginnen und Kollegen, und kann passende Schritte entwickeln. Ziel ist es, einerseits das Bewusstsein für Diskriminierung zu schärfen und andererseits Schutz vor Vorwürfen zu bieten – durch umsichtiges Verhalten und respektvolle Kommunikation. Das gilt besonders für Mitarbeitende mit Kundenkontakt, wie Fahrpersonal oder Kundendienst, ist aber grundsätzlich für alle wert- und sinnvoll. Denn Offenheit und Respekt haben eine große Strahlkraft nach innen wie nach außen und stärken am Ende die gesamte Unternehmenskultur.

Nach außen vertrete ich die SWB in diversen Unternehmens- und Branchennetzwerken, die sich mit Queerness und Diversity befassen. Darüber hinaus arbeite ich gemeinsam mit unserer Personalabteilung und der Konzernentwicklung an Strategien und Prozessen, die die Gleichstellung von Männern und Frauen fördern, wobei es auch viele Schnittstellen zum Gesundheits- und Disability-Management gibt.

Ist der Job also vergleichbar mit dem eines Gleichstellungbeauftragten?

Max Appenroth: Nicht ganz, meine Arbeit geht über Gleichstellung hinaus. Gleichstellung ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit, doch als Diversity Manager denke ich Vielfalt weiter. Für mich gibt es keine festen Geschlechterkategorien oder ein zweispuriges System. Gleichstellungsbeauftragte kümmern sich primär um gleiche Chancen und Rechte für Frauen, während ich hingegen Vielfalt in ihrer Gänze – auch über das Geschlecht hinaus – betrachte. Für mich sind das inhaltlich unterschiedliche Jobs; die aber beide ihre Daseinsberechtigung in einem Unternehmen haben und sich sehr gut ergänzen. 

Sie sind nebenberuflich auch Coach. Sie beraten Unternehmen und Führungskräfte unter anderem zu Vielfalt, Inklusion und sozialer Nachhaltigkeit. Wie blicken Sie aus dieser Rolle heraus auf die SWB? Was läuft hier bereits gut und gibt es an anderen Stellen Verbesserungspotenzial?

Max Appenroth: Ich sehe Optimierungspotenzial grundsätzlich überall; kein Unternehmen macht alles perfekt. Ich glaube, es bedarf insgesamt noch mehr Aufklärungsangeboten und einer stärkeren Verankerung in vielen Unternehmen. Was mir bei den Stadtwerken direkt positiv aufgefallen ist, ist das große Interesse am Diversity-Thema, sowohl bei Führungskräften als auch Mitarbeitenden. Es kommen regelmäßig Kolleginnen und Kollegen mit Anfragen für Vorträge oder Workshops auf mich zu. Außerdem arbeiten bei den SWB viele Menschen mit den verschiedensten Hintergründen hier tagtäglich harmonisch zusammen und bereichern das Unternehmen. Vielfalt ist hier tief verwurzelt und ich sehe viele fruchtbare Ressourcen und ein starkes Fundament. Besonders zu schätzen ist aber auch, dass die Geschäftsführung diese Vielfalt und eine offene Unternehmenskultur so sehr bestärkt und unterstützt. Das ist nicht selbstverständlich.

Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Diversity-Initiativen bei den SWB? Und was werten Sie als Erfolg?

Max Appenroth: Es gibt einige KPI, die ich nutzen kann, zum Beispiel den Frauenanteil im Unternehmen oder in bestimmten Bereichen, um Trends zu beobachten. Aber das sind für mich eher ergänzende Anhaltspunkte. Für mich bedeutet Erfolg beispielsweise, dass Diskriminierungsmeldungen und Beratungsanfragen zunehmen – so paradox das auch klingt. Denn das heißt nicht zwingend, dass sich die Situation verschlechtert hat. Vielmehr ist es ein Zeichen dafür, dass meine Arbeit gesehen und wahrgenommen wird. Außerdem ist es toll, wenn sich im Laufe des Austauschs mit Kolleginnen und Kollegen Veränderungen zeigen und ich merke, dass meine Worte und meine Arbeit nicht einfach abprallen. Dann misst sich Erfolg für mich an den angeregten Diskussionen, die entstehen; der Neugier und den aktiven Gesprächen untereinander. Das zeigt Interesse und Bereitschaft, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und diese kleinen, täglichen Erfolge sind es, die mich motivieren.

Welche konkreten Schritte planen Sie, um Vielfalt und Inklusion künftig noch stärker in der Unternehmenskultur der Stadtwerke zu verankern?

Max Appenroth: Ich plane, klare Kennzahlen und Ziele zu beschließen, um konkrete weiterführende Perspektiven zu entwickeln. Das schafft Orientierung für mich und für das Unternehmen. Parallel baue ich das Angebot für Vielfalt und soziale Nachhaltigkeit aus und vernetze mich weiter mit Gleichgesinnten aus anderen Unternehmen. Denn Erfahrungen teilen spart Zeit und man muss das Rad nicht neu erfinden. Außerdem will ich die SWB stärker auf Veranstaltungen sichtbar machen, die Vielfalt fördern, und unser Beratungsangebot intern noch bekannter machen. (cp)

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