
Seit 20 Jahren verbindet die Lernpatenschaft zwischen dem Tannenbusch-Gymnasium und den Stadtwerken Bonn Schule und Berufswelt. Bei einer Feierstunde würdigten Vertreterinnen und Vertreter aus Bildung, Wirtschaft und Politik die erfolgreiche Zusammenarbeit, die auch international Aufmerksamkeit erregt.
Gelebte Praxis statt grauer Theorie. Das ist das Motto der Kooperation. Seit März 2006 entwickeln Lehrkräfte des Tannenbusch-Gymnasiums und Mitarbeitende der Stadtwerke Bonn (SWB) gemeinsam Angebote für Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen. Ziel ist es, Einblicke in Berufspraxis und wirtschaftliche Zusammenhänge zu vermitteln und den Unterricht um reale Anwendungsbezüge zu ergänzen.
Früher oder später kommen alle der rund 750 Schülerinnen und Schüler des „Tabu“ mit den SWB in Kontakt. Sie profitieren dabei von Berufsorientierungstagen, Bewerbungstrainings, Workshops, Praktika und Betriebserkundungen. Themen wie Mitbestimmung, Energieversorgung, Wasseraufbereitung oder die Energiewende werden praxisnah vermittelt. Hinzu kommen Besuche von SWB-Anlage, Planspiele und weitere gemeinsame Projekte. So haben die Schülerinnen und Schüler musikalisch SWB-Veranstaltungen mitgestaltet oder eine Bahnhaltestelle künstlerisch verschönert.
Die „Krönung“ sind aktuelle Themen, mit denen sich die Jahrgangsstufe 12 im Philosophieunterricht auseinandersetzt. In der Rolle von Unternehmen sind dabei Entscheidungen zu treffen, bei denen es kein klares Richtig oder Falsch gibt und die ihnen Abwägungsprozesse, auch ethischer Natur, im wirklichen Wirtschaftsleben darlegen. „Genau in diesen Denkprozessen entstehen Kompetenzen, die sie im Berufsleben gebrauchen“, so Schulleiter Eike Schultz. Herausforderungen wie digitale Transformation, Klimawandel und Energiewende könnten durch die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken unmittelbar in den Unterricht eingebunden werden.
Rückblickend erinnerte Schultz an die Anfänge der Kooperation: „Unsere Schule und den kommunalen Versorger Bonns zum gegenseitigen Nutzen enger zu verbinden, war eine einfache, aber kraftvolle Idee.“ Die Lernpatenschaft habe fachliches Wissen, Verantwortungsbewusstsein und Interesse an beruflichen Perspektiven gleichermaßen gefördert.
Für die SWB war es „ein Abwägungsprozess, ob wir mit vielen Bonner Schulen einzelne Themen machen oder mit einer Partner-Schule intensiver zusammenarbeiten wollten. Wir haben uns für letztere Variante entschieden, weil es uns nachhaltiger erschien“, sagte Mirko Heid, SWB-Bereichsleiter Konzernstrategie. In einem moderierten Podiumsgespräch gab er gemeinsam mit Lehrer Dr. Giovanni Pizzo Einblick in die Konzeption. Die Patenschaft zeichnet sich für Heid vor allem durch den Spirit an der Schule, die Kooperation auf Augenhöhe und das Engagement der Beteiligten aus.
Auch Bonns Bürgermeister Gabriel Kunze lobte die Kooperation: „In einer Zeit, in der sich die Berufsbilder wandeln, Anforderungen steigen und dringend Fachkräfte gesucht werden, sind es starke Verbindungen wie diese Lernpatenschaft, die dazu beitragen, Brücken zu bauen zwischen Schule und Berufswelt.“
Sozialdezernentin Azra Zürn betonte: „Mein herzlicher Dank gilt allen, die diese besondere Partnerschaft seit 20 Jahren mit Leben füllen. Das gemeinsame Engagement des Tannenbusch-Gymnasiums und der Stadtwerke Bonn eröffnet jungen Menschen wertvolle Perspektiven und ist ein großer Gewinn für unsere Stadt.“
Das Projekt wurde bereits in Berlin vom Bundesarbeitsministerium gewürdigt und stieß auch international auf Interesse. Unter anderem informierten sich italienische Schulleitungen in Bonn über das Modell.
Geburtstagsständchen kamen von der Rhythmusgruppe der schuleigenen Big Band. Als Neuntklässlerin Danay Fotiadis „Don’t stop me now“ von Queen sang, stand das auch dafür, dass die Kooperation zwischen den SWB und der Schule mit vollem Schwung weitergeht. (as)